- Tray-Sealing verbindet eine vorgeformte Schale mit einer Deckfolie — manuell, halbautomatisch oder vollautomatisch in einer einzigen Siegelstation.
- MAP (Modified Atmosphere Packaging) mit N₂/CO₂-Gemischen verlängert die Haltbarkeit von Frischfleisch auf 10–21 Tage im Vergleich zu 2–4 Tagen in Luft.
- Schalenmaterial (CPET, rPET, PP, Faser) und Deckfolienauswahl bestimmen gemeinsam die Recycelfähigkeit des Gesamtsystems.
- Peelable versus permanente Siegelungen erfüllen verschiedene Anwenderanforderungen — Verbraucher bevorzugen eindeutig peelable Verschlüsse.
- EU PPWR verpflichtet Hersteller ab 2030 zu recyclierbaren Schalen/Folienkombinationen — rPET und Faserschalen führen aktuell das Feld an.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist Tray-Sealing?
- Anlagentypen und Automatisierungsgrad
- Modified Atmosphere Packaging (MAP)
- Schalenmaterialien im Vergleich
- Deckfolien: Auswahl und Eigenschaften
- Siegelarten: Peelable vs. Permanent
- Nachhaltigkeit und PPWR-Compliance
- Häufige Fragen
Was ist Tray-Sealing?
Tray-Sealing (Schalenverschließen) ist ein Verpackungsverfahren, bei dem eine vorgeformte Schale mit einer Deckfolie versiegelt wird. Die Verbindung erfolgt thermisch — durch Wärme und Druck — oder durch kalte Klebetechnik. Das Ergebnis ist eine dichte, hygienische Einheit, die das Produkt schützt und gleichzeitig sichtbar macht.
Das Verfahren ist der Standard für Frischfleisch, Geflügel, Fisch, Meeresfrüchte, Käse, Fertiggerichte und verarbeitete Lebensmittel in Kühltheken weltweit. Anders als Flowpack oder Beutel erlaubt die Schale eine definierte Präsentation und stapelbare Logistikeinheiten.
Weiterführend: Form-Fill-Seal: VFFS vs. HFFS Leitfaden | Lebensmittelverpackungsfolien
Anlagentypen und Automatisierungsgrad
Tray-Sealing-Systeme sind in drei Automatisierungsstufen erhältlich:
Manuelle Tray-Sealer
Tischgeräte für Handbeschickung und -entnahme. Geeignet für Kleinstbetriebe, Feinkostgeschäfte und Catering. Durchsatz: 3–8 Schalen/min. Investition: 1 500–8 000 €.
Halbautomatische Tray-Sealer
Bandgestützte Zuführung, automatische Siegelung, manuelle Entnahme. Für mittlere Produzenten mit 1–2 Schichten Betrieb. Durchsatz: 8–25 Schalen/min. Investition: 15 000–60 000 €.
Vollautomatische Tray-Sealing-Anlagen
Vollintegrierte Linien mit automatischer Schalen-Entstapelung, Befüllung, MAP-Begasung, Siegelung, Etikettierung und Ausgabe. Für Lebensmittelproduzenten mit hohem Durchsatz. Durchsatz: 30–120 Schalen/min. Investition: 80 000–400 000 €.
Modified Atmosphere Packaging (MAP)
MAP ersetzt die Luftatmosphäre in der Verpackung durch ein definiertes Gasgemisch, das Mikroorganismenwachstum hemmt und Oxidation verlangsamt. Die drei Hauptgase und ihre Funktion:
- Stickstoff (N₂): Inertgas — verdrängt Sauerstoff und verhindert Oxidation
- Kohlendioxid (CO₂): Antimikrobiell — hemmt aerobe Bakterien und Schimmelpilze
- Sauerstoff (O₂): Erhalten der Fleischfarbe (Oxymyoglobin) — typischerweise 60–80 % für Rind
| Produkt | Gasgemisch | MHD-Verlängerung |
|---|---|---|
| Rind-/Lammfleisch | 60–80 % O₂ / 20–40 % CO₂ | 7–21 Tage |
| Geflügel | 30 % O₂ / 40 % CO₂ / 30 % N₂ | 10–14 Tage |
| Fisch (fett) | 40 % CO₂ / 30 % O₂ / 30 % N₂ | 8–12 Tage |
| Käse (Hart) | 100 % N₂ oder 70 % N₂ / 30 % CO₂ | 3–6 Monate |
| Backwaren | 60 % CO₂ / 40 % N₂ | 4–8 Wochen |
Schalenmaterialien im Vergleich
| Material | Eigenschaften | Recyclingpfad | Anwendung |
|---|---|---|---|
| rPET / CPET | Klarsicht, hitzebeständig bis 200 °C (CPET), lebensmittelsicher | PET-Strom ✓ | Frischfleisch, Ofenfertiggerichte |
| PP | Flexibel, mikrowellengeeignet, weiß oder klar | PP-Strom ✓ | Fertiggerichte, Milchprodukte |
| PS (EPS) | Günstig, isolierend, leicht | Schwierig ✗ | Rückgang durch PPWR |
| Faserschalen (Zellstoff) | Biogener Rohstoff, kompostierbar | Papierstrom ✓ | Obst, Gemüse, Bio-Sortiment |
| Aluminium | Total-Barriere, ofenfest | Alu-Strom ✓ | Fertiggerichte, Catering |
Deckfolien: Auswahl und Eigenschaften
Die Deckfolie muss auf das Schalenmaterial abgestimmt sein, um eine zuverlässige Siegelung zu gewährleisten. Wichtige Eigenschaften:
- Siegeltemperatur: Typisch 140–200 °C je nach Material
- Barriere: OTR (Sauerstofftransmissionsrate) und WVTR (Wasserdampftransmissionsrate) je nach Produkt
- Peelkraft: 8–15 N/15 mm für verbraucherfreundliche Öffnung
- Optik: Klar, matt, bedruckt oder metallisiert
Mehr zu Folienstrukturen: Lebensmittelverpackungsfolien: Typen, Materialien und Auswahl
Siegelarten: Peelable vs. Permanent
Peelable Siegelung ermöglicht das saubere Abziehen der Deckfolie von Hand ohne Werkzeug. Wird durch spezielle Kaltsiegel- oder Lacksysteme erreicht. Standard für Endverbraucher-Frischeprodukte.
Permanente Siegelung verbindet Schale und Folie unlösbar — für Sterilprodukte, Aseptikverpackungen und Produkte mit hohem internem Druck (z. B. karbonisierte Getränke).
Easy-Peel-Strukturen kombinieren ausreichende Barriere mit definierter Abzugskraft — der beste Kompromiss für MAP-Anwendungen.
Nachhaltigkeit und PPWR-Compliance
Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) stellt Tray-Sealing-Anwender vor konkrete Herausforderungen:
- EPS-Schalen verboten ab 2030: Expandiertes Polystyrol fällt unter die Single-Use-Restrictions — Migration zu rPET oder Faserschalen läuft bereits
- Recyclingfähigkeit Pflicht: Alle Schalen/Foliensysteme müssen bis 2030 in bestehenden Recyclingströmen verarbeitbar sein
- Recyclatanteil-Targets: PET-Schalen benötigen ab 2030 mindestens 30 % rPET
Praxistipp: Bestehende PS-Schalen jetzt auf rPET oder Faserschalen umstellen — Maschinenkonfiguration und Siegelparameter müssen entsprechend angepasst werden.
Häufige Fragen
Welche MAP-Gase eignen sich für Geflügel?
Geflügel profitiert von einem Gemisch aus 30 % O₂, 40 % CO₂ und 30 % N₂. Der CO₂-Anteil hemmt Listeria und Pseudomonas, der O₂-Anteil erhält die natürliche Fleischfarbe. MHD-Verlängerung: 10–14 Tage vs. 3–5 Tage in Luft.
Können Faserschalen in MAP-Anlagen eingesetzt werden?
Ja, mit beschichteten Faserschalen (PE- oder PLA-Innenbarriere). Die Gasdurchlässigkeit der Faserschale muss jedoch kontrolliert werden — unbeschichtete Faserschalen eignen sich nicht für anspruchsvolle MAP-Anwendungen.
Was ist der Unterschied zwischen Tray-Sealing und Thermoforming?
Beim Tray-Sealing werden vorgeformte Schalen befüllt und versiegelt. Beim Thermoforming (HFFS) wird die Schale direkt in der Anlage aus einer Folienrolle geformt. Thermoforming ist flexibler und spart Schalenlagerung, erfordert aber höheren Anlageneinsatz. Mehr zu FFS-Thermoformern.